Die Glückwunschkarte

Was Teilnehmer am Wettbewerb über die Glückwunschkarte und ihren Markt wissen sollten

Glückwunschkarten finden wesentlichen Absatz nur in den wirtschaftlich entwickelten Ländern der Welt und davon im besonderen Maße in den angelsächsischen (USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Südafrika, Australien, Neuseeland). In Europa sind es die Alpenländer (Schweiz, Österreich) und die nördlich davon liegenden (Deutschland, Be-Ne-Lux, Großbritannien, Irland und Skandinavien). In Frankreich werden immer noch überwiegend Bildpostkarten bevorzugt. Die süd- sowie osteuropäischen Länder sind stark unterentwickelt.

Der deutsche Markt ist im Vergleich zu Ländern, wie Holland, England oder den USA rückständig. Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt gerade einmal ca. 8 Karten (in England über 40, in den USA 30, in Holland 28 Karten im Jahr).

Der Geschmack weicht in den deutschsprachigen Ländern vom internationalen Geschmack stark ab, so dass der Export für deutsche Verlage schwierig ist. Aber auch die ausländischen Hersteller finden mit ihren Produkten nur schwer Eingang in den deutschsprachigen Markt. Beides sollte sich ändern.

Eine weitere Besonderheit in Deutschland ist es, dass junge Menschen zwar teure Karten kaufen, jedoch von der Menge her unterproportional zu den übrigen Altersgruppen von diesem Kommunikationsmittel Gebrauch machen. Das ist kein neuer Trend, sondern wird seit mehreren Generationen registriert. Erst von Personen über 40 Jahre wird der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch erreicht, steigert sich bis zum ca. 60. Lebensjahr und nimmt dann wieder ab. Frauen bestreiten ca. 60% der Einkäufe. Untersuchungen ergaben, dass junge Menschen in Deutschland nach der Schule bis zum ca. 30. Lebensjahr nur ungern Schreibwarenfachgeschäfte aufsuchen, und dass es die Frauen sind, die auseinanderdriftende Freundes- und Familienbande im fortschreitenden Lebensablauf durch Kommunikation zusammenhalten.

Im Ausland gibt es so etwas wie das traditionelle deutsche Schreibwarenfachgeschäft kaum, so dass bei den jungen Generationen dort kein Bruch in ihren Kaufgewohnheiten zu entstehen scheint. Von allen Altersgruppen wird das geschriebene Wort als hochwertiger beurteilt, als das gesprochene. Die neuen Kommunikationstechniken werden weltweit gern ausprobiert, nach einer gewissen Zeit greifen die meisten Verbraucher auch wieder auf die gewohnten Kommunikationsmittel zurück.

Glückwunschkarten haben sich trotz der großen Konkurrenz erstaunlich gut am Markt erhalten.
Gegenüber dem Telefon hat die Karte den Nachteil der Unbequemlichkeit von mehreren Schritten: 
1. einen Laden aufsuchen, 
2. Karte aussuchen 
3. bezahlen 
4. eine Briefmarke erwerben 
5. schreiben und 
6. zum Briefkasten bringen.

Das Telefon steht zwar 24 Stunden unmittelbar zur Verfügung, wird aber auch u. U. vom Angerufenen als störend empfunden. Die herstellenden deutschen Unternehmen gehören nicht zur Großindustrie. Die meisten haben sich aus dem Handwerk heraus entwickelt und sind überwiegend mittelständig oder Kleinbetriebe.

Die Mitgliedsfirmen der A.V.G. repräsentieren ca. 50% des gesamten Marktumsatzes. 
Die herstellenden Betriebe beliefern entweder nur den Großhandel bzw. den Einzelhandel. Einige arbeiten in einer Mischform. Nur wenige besitzen hauseigene Kreativabteilungen. Sie sind auf freie Künstler angewiesen, zumal der Markt in immer kürzeren Zeitabschnitten Neuheiten verlangt. Dies wiederum lässt keine Großauflagen zu. Es besteht also ein stetiger großer Bedarf an neuen Ideen.

Die A.V.G. und die Messe Frankfurt GmbH erhoffen sich stets neue Impulse für den Glückwunschkartenmarkt in Deutschland dadurch, dass sie mit der Kontaktbörse „Card Cafe“ während der Paperworld junge Künstler mit neuen Ideen und produzierende Unternehmen zueinander führen. Die Altersgruppen bevorzugen selbstverständlich unterschiedliche Geschmacksrichtungen, deshalb sollten sich die Künstler im Voraus Gedanken darüber machen, welchen Personenkreis sie mit Ihren Arbeiten ansprechen wollen. Von Vorteil ist auch die Kenntnis über aktuelle Postformate. Solche Vorentscheidungen werden die Verhandlungen mit entsprechenden Verlagen erleichtern.

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Text: Günter Garbrecht 1999 und 2011