Alle bekommen gern Karten

Glückwunschkarten sind quer durch alle Bevölkerungsschichten hoch angesehen. Gemäß den Statistiken der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg) steigt die Bereitschaft mit dem Lebensalter, Glückwünsche per Karte zu übermitteln.

Über 60 Prozent der Kartenschreiber sind Frauen, die das Medium gern dazu benutzen, auseinander driftende Familien- und Freundschaftsbande zusammen zu halten. Nachwachsende Generationen sind eher bereit, modernere Kommunikationsmittel zu versuchen, doch ab einem gewissen Alter besinnt man sich wieder zur höflicheren und hoch angesehen echten Schriftform. Die GfK Umfrage zeigt außerdem, dass keine Personengruppe grundsätzlich etwas gegen das Kartenschreiben habe; jeder freut sich sogar, wenn sie von Briefträger gebracht werden. Allerdings sind sie teurer und deutlich unbequemer als SMSen, Mailen oder Telefonieren, denn eine Karte muss ausgewählt, eingekauft, beschriftet, frankiert und verschickt werden.

Das geschriebene Wort gilt jedoch in allen Bevölkerungsgruppen als höherwertiger als das gesprochene. Eine anspruchsvoll gestaltete Karte wird deshalb mehr als Geschenk denn als ein reiner Gruß angesehen. Für individuelle Anlässe wie Geburtstag, Hochzeit, Geburt oder Genesung greifen Käufer deshalb schon einmal tief in die Tasche. Für Anlässe zu denen jede Familie mehreren anderen Familien schreibt und somit gleichzeitig mehrere Karte einkauft, wie zu Weihnachten oder Ostern, werden nicht ganz so teure Karten erworben.

Die kleine Schwester des gediegenen Briefes, die Glückwunschkarte, wird genutzt für Infos oder kurze Grüße zwischendurch. Sie verlangt im Gegensatz zu jenem keine ganz perfekten Formulierungen. Auch bietet der Markt eine Fülle aufgedruckter Texte, von denen stark Gebrauch gemacht wird. Außerdem ist die Karte besonders geeignet für Anlässe, zu denen man besser nicht telefonieren sollte, wie z. B. bei Trauerfällen oder in anderen Stresssituationen. Viele Menschen glauben fälschlich von sich, zu dem sehr engen Kreis des Adressaten zu gehören, der auch in extremen Situationen zum Telefon greifen darf. Dabei fallen sie leicht eher unangenehm auf und stören. Abgesehen von Trauerfällen kenne jeder den Fall des gefeierten Jubilars, der sich nicht auf seine geladenen Gäste konzentrieren kann, weil ständig das Telefon klingelt. Eine Karte wirkt daher persönlicher, dezenter und unaufdringlicher.

Ein weiterer Aspekt der Marktentwicklung ist vor dem Hintergrund der sich verschiebenden gesellschaftlichen Tendenzen zu sehen. Rund 20 Prozent unserer Mitbürger haben einen Migrations-Hintergrund und sind oftmals keine Christen, würden also auch keine Karten zu christlichen Festen verschicken. Ein Feld, das es weiter zu beobachten gilt.

Text: Günter Garbrecht